Parodontitis ist eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparats – also des Gewebes und Knochens, die den Zahn im Kiefer verankern. Sie verläuft über Jahre meist ohne Schmerzen. Sichtbar wird sie oft erst, wenn Zahnfleisch zurückgeht, Zähne länger erscheinen oder sich zu lockern beginnen. Bis dahin ist bereits Knochen verloren gegangen, der sich nicht von selbst zurückbildet.
Die Behandlung der Parodontitis ist ein fachlicher Schwerpunkt dieser Praxis. Die Behandlerin hat ihr Masterstudium in Parodontologie und Implantattherapie an der Dresden International University absolviert und ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO).
Anzeichen, die Sie ernst nehmen sollten
- Zahnfleisch, das beim Putzen oder bei der Zahnzwischenraumreinigung blutet
- dauerhaft empfindliche Zahnhälse
- zurückgehendes Zahnfleisch, längere Zähne
- anhaltender Mundgeruch
- Zähne, die sich bewegen oder deren Stellung sich verändert
Warum eine Parodontitis mehr betrifft als den Mund
Eine unbehandelte Parodontitis bedeutet eine dauerhafte Entzündungslast für den gesamten Körper. Die Wechselwirkung mit Diabetes ist gut belegt und verläuft in beide Richtungen: Eine schlecht eingestellte Zuckerkrankheit begünstigt die Parodontitis, und eine unbehandelte Parodontitis erschwert die Einstellung des Blutzuckers. Auch mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und mit Risiken in der Schwangerschaft bestehen Zusammenhänge. Die Behandlung ist deshalb nicht nur eine Frage des Zahnerhalts.
Der Behandlungsablauf
1. Befund und Diagnose. Wir messen die Tiefe der Zahnfleischtaschen an jedem einzelnen Zahn, erfassen Blutungsneigung und Zahnbeweglichkeit und beurteilen den Knochenverlauf röntgenologisch – bei komplexen Befunden auch dreidimensional mit der digitalen Volumentomographie. Daraus ergibt sich das Stadium der Erkrankung.
2. Vorbehandlung. Vor jedem weiteren Schritt werden alle Beläge oberhalb des Zahnfleischs entfernt und die häusliche Reinigung gemeinsam optimiert. Dieser Schritt entscheidet maßgeblich über den Erfolg der gesamten Therapie.
3. Antiinfektiöse Therapie. Die Wurzeloberflächen werden unterhalb des Zahnfleischrandes von Biofilm und harten Belägen befreit – schonend und unter lokaler Betäubung. Ziel ist, die Entzündung zum Abklingen zu bringen und dem Gewebe Gelegenheit zu geben, sich wieder anzulegen.
4. Neubewertung. Nach einer Heilungsphase messen wir erneut. In vielen Fällen ist die Erkrankung damit zum Stillstand gebracht. Bleiben einzelne tiefe Taschen bestehen, besprechen wir weiterführende, auch chirurgische Möglichkeiten – etwa Verfahren, die den Wiederaufbau von Gewebe unterstützen.
5. Unterstützende Parodontitistherapie (UPT). Parodontitis ist eine chronische Erkrankung. Sie ist behandelbar, aber sie verschwindet nicht. Die strukturierte Nachsorge in festgelegten Abständen ist der Teil der Behandlung, der den Erfolg dauerhaft sichert.
Wenn die Basistherapie nicht ausreicht
Bei den meisten Patientinnen und Patienten kommt die Erkrankung nach der antiinfektiösen Therapie zum Stillstand. Bleiben einzelne tiefe Taschen bestehen, stehen weiterführende Verfahren zur Verfügung. Sie sind der fachliche Schwerpunkt dieser Praxis.
Hartgewebe: verlorenen Halt zurückgewinnen
Bei fortgeschrittener Parodontitis entstehen Knochendefekte entlang der Wurzel. In geeigneten Fällen lässt sich hier nicht nur stabilisieren, sondern regenerieren – also Gewebe zurückgewinnen, das bereits verloren war.
- Gesteuerte Geweberegeneration. Eine Membran hält schnell wachsendes Weichgewebe vom Defekt fern und verschafft dem langsamer wachsenden Knochen- und Faserapparat Zeit, den Raum zu füllen.
- Schmelz-Matrix-Proteine. Auf die gereinigte Wurzeloberfläche aufgebracht, unterstützen sie den Wiederaufbau der Fasern, die den Zahn im Knochen verankern.
- Knochenersatzmaterial. Bei bestimmten Defektformen wird der Raum zusätzlich gefüllt, um die Membran zu stützen.
Diese Verfahren wirken nicht bei jedem Defekt. Entscheidend ist seine Form: Schmale, von mehreren Knochenwänden umgebene Defekte sprechen gut an, breite und flache kaum. Ob Ihr Befund geeignet ist, zeigt die Diagnostik – bei komplexen Fällen dreidimensional mit der digitalen Volumentomographie.
Weichgewebe: Rückgang aufhalten und decken
Nach einer abgelaufenen Parodontitis liegen häufig Zahnhälse frei. Das führt zu empfindlichen Zähnen, optisch längeren Zahnkronen und einer Wurzeloberfläche, die anfälliger für Karies ist als Zahnschmelz.
Mit mikrochirurgischen Techniken lässt sich Gewebe über die freiliegende Wurzel verlagern, häufig unterstützt durch ein Bindegewebstransplantat aus dem Gaumen. In anderen Fällen geht es nicht um Deckung, sondern um Stabilisierung: das Gewebe zu verstärken, damit der Rückgang nicht weitergeht.
Ausführlich beschrieben ist dieser Bereich auf der Seite Rekonstruktive Chirurgie.
Eine wichtige Voraussetzung gilt für alle diese Eingriffe: Die Entzündung muss vorher zum Stillstand gebracht und die häusliche Reinigung stabil sein. Auf entzündetem Gewebe heilt nichts.
Kostenübernahme
Die systematische Parodontitisbehandlung ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Vor Behandlungsbeginn wird ein Antrag bei Ihrer Kasse gestellt; auch die anschließende Nachsorge ist über einen definierten Zeitraum Kassenleistung. Wir erklären Ihnen den Ablauf und übernehmen die Formalitäten.