Zähne lassen sich lebenslang bewegen. Der biologische Vorgang ist bei Erwachsenen derselbe wie bei Jugendlichen – er verläuft nur langsamer, und die Rahmenbedingungen sind andere. Das Kieferwachstum ist abgeschlossen, sodass reine Kieferfehlstellungen nicht mehr über das Wachstum gesteuert werden können. Dafür ist die Mitarbeit meist deutlich zuverlässiger, was viele Behandlungen erleichtert.
Häufige Anlässe
- Frontzähne, die sich im Laufe der Jahre verschoben haben – oft nach einer Behandlung in der Jugend, deren Stabilisierung nicht konsequent getragen wurde
- Engstände, die die Reinigung erschweren und wiederkehrende Entzündungen begünstigen
- Zähne, die nach einer Lücke gekippt sind und den Platz für Zahnersatz blockieren
- Fehlbelastungen, die zu Abrieb oder Beschwerden im Kiefergelenk führen
- ästhetische Gründe
Der entscheidende Unterschied: das Zahnfleisch
Bei Erwachsenen ist der Zustand des Zahnhalteapparats der wichtigste Faktor. Etwa jeder zweite Erwachsene in Deutschland hat eine behandlungsbedürftige Parodontitis, viele davon unbemerkt. Werden Zähne bei entzündetem Zahnhalteapparat bewegt, kann Knochen verloren gehen.
Deshalb prüfen wir vor jeder kieferorthopädischen Behandlung den Parodontalstatus und behandeln eine bestehende Erkrankung zuerst. Dass Parodontologie und Kieferorthopädie hier in einer Hand liegen, ist gerade für erwachsene Patientinnen und Patienten ein praktischer Vorteil: Sie müssen nicht zwischen zwei Praxen koordinieren.
Bei bereits zurückgegangenem Knochen ist eine Behandlung nicht ausgeschlossen. Sie wird dann mit geringeren Kräften und engmaschigerer Kontrolle geführt.
Welche Systeme kommen infrage?
Viele Erwachsene möchten während der Behandlung nicht auffallen. Dafür gibt es mehrere Wege: durchsichtige Aligner-Schienen, zahnfarbene Brackets oder Systeme auf der Zahninnenseite. Welches System geeignet ist, hängt vom Befund ab – nicht jede Fehlstellung lässt sich mit jedem System korrigieren. Mehr dazu auf der Seite Unsichtbare Zahnspangen.
Kieferorthopädie als Vorbereitung
Manchmal ist die kieferorthopädische Behandlung kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung: Ein gekippter Zahn wird aufgerichtet, damit eine Brücke sitzen kann. Eine Lücke wird auf das richtige Maß gebracht, damit ein Implantat gesetzt werden kann. Solche Behandlungen dauern oft nur wenige Monate.
Kosten
Bei Erwachsenen übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Behandlung nur in Ausnahmefällen – etwa bei schweren Kieferfehlstellungen, die zusätzlich einen chirurgischen Eingriff erfordern. In der Regel handelt es sich um eine Privatleistung. Sie erhalten vorab einen schriftlichen Kostenplan; über Ratenzahlung sprechen wir offen.